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MISS RAGE - WELCOME TO MY CRIB

Sep 242019

Wir haben uns auf den Weg nach Klagenfurt gemacht, um Österreichs größte Streamerin zu treffen. Julia „Miss Rage“ führte uns durch ihr neues Haus und quatschte mit uns über die Gaming Szene, was man tun muss um Erfolg zu haben, ihre Haustiere und wie man Arbeit und Freizeit so verbindet, dass man seinen Traum leben kann.

"Für mich hat es einen gewissen sentimentalen Wert und ich liebe den Ort, an dem es steht."

Wie kamst du zu diesem Haus und was macht es so besonders für dich?

Ich bin mehr oder weniger in diesem Haus aufgewachsen, damals haben es meine Eltern gekauft und bauen lassen. Es handelt sich um ein norwegisches Blockhaus. Vor zwei Jahren ist meine Mutter zu ihrem langjährigen Lebensgefährten nach Deutschland gezogen, darum wollte sie das Haus verkaufen. Mein Freund und ich haben dann zusammen beschlossen, das Haus aufzukaufen. Für mich hat es einen gewissen sentimentalen Wert und ich liebe den Ort, an dem es steht. Da es schon etwas älter ist, entschieden wir uns dafür es zu renovieren und an unseren Stil anzupassen.

Was ist spezifisch an der Inneneinrichtung des Hauses bzw. am Interior?

Im ganzen Haus wurde so gut wie nur Holz verbaut. Wenn ich die Einrichtung beschreiben müsste, würde ich sagen, dass es eine Mischung aus einer rustikalen Almhütte mit modernen Einflüssen ist. Ich wollte etwas haben, das mir in zehn Jahren auch noch gefällt. Zumindest die Basics, wie zum Beispiel der große Tisch. Er soll der Mittelpunkt des Hauses sein. Er dient als Treffpunkt mit Freunden sozusagen. Überall im Haus sind außerdem Stromleitungen und LAN Anschlüsse verlegt, damit wir in jedem Raum streamen und spielen können.

Wo kannst du dich denn am besten zurückziehen? Wo fühlst du dich am wohlsten um zur Ruhe zu kommen oder Energie zu tanken?

Im Garten. Zumindest im Frühling und im Sommer. Seit zwei Jahren habe ich, übertrieben gesagt, einen grünen Daumen. Zuvor konnte ich gerade so einen Kaktus am Leben erhalten. Für mich ist das der Ausgleich zum Streamen und um von dem Monitor, dem Handy und Social Media generell wegzukommen. Ein bisschen gärtnern und ich bin glücklich (lacht).

"Es macht mir Spaß und es fühlt sich eben nicht wie Arbeit an."

Kommen wir zum Gaming und E-Sport. Sprechen wir über die Credibility. Du hast erwähnt, dass du hinter allem mit 100 % stehst. Kannst du für uns zusammenfassen, warum du genau diese Spiele spielst und keinen Trends folgst?

Für mich ist es total wichtig, dass ich nicht von Trend zu Trend hüpfe. Viele Streamer spielen die Spiele, die zurzeit gehyped werden, nur damit sie so viele Zuschauer wie möglich bekommen. Natürlich wäre es wahrscheinlich karrieretechnisch gesehen das smarteste, es so zu machen. Ich persönlich muss aber sagen, dass ich über die Jahre gelernt habe, mein eigenes Wohlbefinden an erste Position zu stellen. Natürlich muss ich auch sehen, wie ich meine Rechnungen und mein Haus bezahle. Der Grund, warum ich angefangen habe zu streamen und mit dem Gaming zu arbeiten, ist aber ein anderer. Es macht mir Spaß und es fühlt sich eben nicht wie Arbeit an. Wenn etwas dabei ist, so wie TeamFightTacticts, ein neues Spiel, das gerade gehyped wird, spiele ich das auch sehr gerne und streame es. Aber eben nur, weil es mir Spaß macht und nicht wegen den Viewerzahlen.

Weil wir gerade von der Community bzw. der Szene sprechen: Du bist seit 5 Jahren professionell dabei. Wie hat sich die Szene und die Community, mit der du jeden Tag Kontakt hast, seitdem für dich verändert?

Sie ist natürlich über die Jahre viel größer geworden. Ich würde sagen, dass die Basics gleichgeblieben sind. Der Sexismus im Gaming und die Vorurteile wie ‚Du bist ein Mädchen, du magst keine Computerspiele und spielst nur wegen des Geldes‘ sind leider immer noch da. Aber ich bin zum Glück schon gut etabliert. Ich glaube mittlerweile wissen die Leute, dass ich kein „Hypehaserl“ bin, das nur wegen des Geldes spielt. Das ist für mich natürlich sehr angenehm. Natürlich werden Frauen immer mehr akzeptiert und als normaler angesehen, wie noch vor ca. 6 Jahren, als ich begonnen habe. Wenn dir das zocken spaß macht, macht es dir eben spaß!

Du bist jemand, der gerne nah an der Szene ist. Du lässt deine Fans diese Nähe spüren. Wie vermittelst du das und welche Features bietest du deiner Community?

Für mich ist das so: Den Großteil des Tages, also ca. 8 Stunden, verbringe ich damit zu streamen. Sechs Tage die Woche. Man wird mich also schlecht und auch gut gelaunt sehen. Ich habe keinen Filter und spreche wirklich über alles. Ich glaube das ist einfach der Unterschied von mir zu anderen Streamern. Viele haben diese klare Grenze von privatem Leben zu ihrer Onlinepersönlichkeit. Ich bin online genauso wie im echten Leben. Ich glaube, das ist auch mein Erfolgsgeheimnis. Da ich langsam und organisch gewachsen bin, kann ich auch mit dem Hate, den ich bekomme gut umgehen. Gerade auch deswegen, weil ich sehr viel positives Feedback bekomme. Auf 100 nette Nachrichten kommt eine blöde. Damit kann ich locker umgehen.

"Man ist einfach so viel näher an der Community und es ist viel persönlicher."

Du hast letztes Jahr mit dem E-Sport aufgehört und konzentrierst dich nun ganz auf das Streaming. Was ist dein Résumé dazu?

Ich muss sagen, dass ich wirklich viel glücklicher bin seitdem ich es nicht mehr mache. Nicht weil mir E-Sport nicht gefallen hat, sondern weil es meiner Meinung nach sehr schwierig ist, beides zu kombinieren. Ich habe jeden Tag zwischen 5 und 8 Stunden gestreamt und dann noch 4 Mal die Woche für 4 Stunden trainiert. Dazu kamen noch die Turniere am Wochenende und auch unter der Woche. Das war einfach sehr viel. Wenn ich die Möglichkeit hätte, zwischen E-Sport und Streaming zu wählen, würde ich mich jedes Mal wieder für das Streaming entscheiden. Man ist einfach so viel näher an der Community und es ist viel persönlicher. Aber ich muss sagen, dass es für mich schwierig war auf dem Level, in dem wir gespielt haben, vier Menschen mit der gleichen Arbeitsmoral und Motivation zu finden. Falls ich irgendwann von vier Mädchen oder Jungs umgeben bin, die wirklich genau so viel Arbeit hineinstecken wie ich, dann würde ich es vielleicht wieder machen. Im Moment kommt es für mich aber nicht in Frage.

Wir konnten deine Liebe zu Tieren beobachten. Erklär uns doch bitte, wie es dazu kam und was dir Tiere bedeuten.

Ich bin von klein auf mit Hunden aufgewachsen, da mein Papa im Schäferhundverein in Österreich war. Ich hatte jeden Tag mit Hunden zu tun. Wie ich zu meinen jetzigen Tieren gekommen bin: Yuna ist unsere weiße Maine Coon und mittlerweile 6 Jahre alt. Blinky ist 5 und unser kleines Findelkind. Er ist eine Straßenkatze, die wir gerettet und aufgenommen haben. Er und Yuna sind unser Katzenpaar. Lucifer ist 4, ihn habe ich damals von meinem jetzigen Freund zu Weihnachten bekommen. Unser Hund Mira ist 3 Jahre alt. Zu ihr sind wir gekommen, weil wir regelmäßig ein Tierheim in Klagenfurt besuchen.

Man wird dich dieses Jahr noch öfter unterwegs sehen. Wohin wirst du reisen und was steht zuvor noch an?

Ich werde dieses Jahr noch bei der Game City in Wien sein. Im Oktober bin ich dann bei einem Dota-Event in Hamburg; der ESL. Ich hoffe außerdem, dass ich es auf die Dreamhack in Schweden schaffe. Bei der Game City werde ich eventuell wie letztes Jahr mit ein paar Partnern zusammenarbeiten. Auch hier steht aber wieder die Community und gerade die österreichischen Fans im Vordergrund. In Hamburg bin ich wegen einem Projekt unterwegs, von dem ich aber noch nicht sprechen darf. Falls es mit der Dreamhack klappt, würde ich den Kontakt zur Community und das Event mit Monster genießen.

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