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Nic Hamilton practice session at Rockingham
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Interview mit Nicolas Hamilton

May 222017

 Es ist über ein Jahr her seit Nicolas Hamilton das Lenkrad eins Rennautos in seinem britischen Torino Car Debüt in der Hand hatte und es ist fair zu sagen, dass die Szene ihn vermisst hat, genauso wie er Runden drehen wollte. Trotz des berühmten Nachnamens hat der 25 Jährige keine freien Fahrten erhalten und erst nach 12 Monaten gewaltiger Arbeit und Training kann er dahin zurückkehren, wo er am Meisten sein will.  


Dreh die Uhr auf 2015 zurück und Nic schrieb Motorsport Geschichte als erster behinderter Athlet, der jemals im legendären British Touring Car Championship fuhr. Bewaffnet mit einem ganzen Rennteam und einer Supportcrew, führte Nic’s Ankunft zu großer Aufregung im BTCC Kader. Leider verlief die Saison allerdings nicht ganz nach Plan - technische und finanzielle Probleme behinderten den Fortschritt auf dem Track und leerten seine Rennersparnisse schneller als sein 300PS Auto neue Reifen gebrauchen konnte. Am Ende der Saison war Nic klar, dass sich etwas ändern musste. 

Er handelte seine. Arbeit als Renn-Simulations-Spieleentwickler und einen vollen Stundenplan als öffentlicher Sprecher zusammen mit einem Deal, den er jetzt ganz allein an Land gezogen hat. Er wird im Renault Clio Cup eine volle, 18 Rennen lange Kampagne starten. Nicht schlecht für jemanden, der vor acht Jahren nicht mal laufen konnte. Während er sich auf Oulton Park - der Gastgeber für die erste Runde des 2017er Clio Cup vorbereitet und seine Sachen packt, haben wir ihm 10 Minuten seiner Zeit gestohlen, um alles über sein aktuelles Kapitel in einer wirklich einmaligen Rennkarriere zu erfahren.   

 "MIT EINER KONDITION WIE MEINER, WEIß MAN NICHT WAS MÖGLICH IST."

           

    

Hi Nic – schön dich zu sehen. Es ist fast Zeit zu gehen – Was steht an?

Eine volle Saison vom Clio Cup dieses Jahr und ich bin mega mega aufgeregt meine Teilnahme in der Reihe zu bestätigen und jetzt wirklich anzufangen. Ich bin sehr stolz, das alles selbst geschafft zu haben. Ich bin Touring Cars in 2015 gefahren, dann habe ich ein Jahr Auszeit genommen weil ich darauf hinarbeiten wollte, das Budget [für die Clio Saison] zu haben – heutzutage ist es nicht leicht, das Geld das man für Rennen braucht, aufzutreiben. Jetzt, mit der Hilfe Monster Energy und aller meiner Sponsoren, ist es Realität geworden. Das erste Rennen ist dieses Wochenende – das ist nicht lang!

Wie kam der Deal mit deinem neuen Team zustande?

Das Beste ist sozusagen, dass ich die Leute überraschen kann. Was ich damit meine ist, dass die meisten Menschen denken mir würde dank meines Bruders alles auf dem Silbertablett serviert; und so ist es überhaupt nicht. Als WDE anstand ging ich buchstäblich auf die Website der Clio Meisterschaft und sah mir all die Ergebnisse der letzten Saisons an. Ich sah WDE war eines der Top Teams. Danach schickte ich ein paar Emails und versuchte, ein paar Deals zu ergattern. Es ging darum etwas zu finden, das für mich als Fahrer und mit meinem Budget funktioniert. WDE haben viel Erfahrung – sie haben einen Veteranen – Paul Rivett – der dreifach Clio Champion ist und das ist jemand, von dem ich wirklich etwas lernen kann. Ich glaube, es ist ein starkes und wirklich positives Team.

Clios sind aber vertrautes Gefilde für dich...

Ich habe 16 Rennen in 2011 und 2012 gemacht, also nicht allzu viel Erfahrung von der man sprechen könnte. Diese Rennen in ’11 und ’12 waren wirklich das erste Mal, dass ich in Wettkämpfen gefahren bin, das brachte mir eine große Lernkurve ein. Ich bin zu den European Touring cars in 2013 aufgestiegen, und BTCC in 2015, was mir dabei half, meine Erfahrung weiter auszubauen. Sobald man in einer Reihe von Klassen fährt, stellt man fest, dass sich einige Skills überlappen. Du kannst eigentlich so ziemlich alles fahren. Als ich zurück zum Clio Cup kam musste ich schon das neue Auto kennenlernen und man muss Dinge modifizieren. Eins ist sicher; es wird eine anstrengende Reihe werden.

Hast du viel Zeit im Auto mit Testen verbracht?

Wir hatten erst zwei Tage im Auto bisher, aber wie gesagt bin ich jetzt viel erfahrener als zu Beginn der letzten Saisons. Das Ding mit dem Renault Clio Cup ist, dass es einer der schwierigsten einfach-erreichbaren Meisterschaften ist, die es gibt. Jeder ist im gleichen Kit, also werden die Zeiten eng sein. Es werden 25 Autos auf dem Asphalt sein. Ich muss hart arbeiten, um mein Können zu verbessern im Laufe des Jahres. Ich bin es gewohnt, unterschätzt zu werden, also bin ich sehr gespannt!

Wenn die Leute an Nic Hamilton denken, was möchtest du, dass sie über dich denken/sagen?

Ich möchte nicht, dass die Leute ein böses Wort über mich zu verlieren haben. Ich versuche, positiv und stark zu sein und so reizend wie möglich, wenn ich jemanden treffe. Hoffentlich denken die Menschen an mich als einen „inspirierenden“ Menschen. Jemand, der Hindernisse überwunden hat, immer seinen Zielen nachgeht und sie zu erreichen, ohne ganz das Können dafür zu haben..

Der Hamilton Name trägt viel Gewicht und Verantwortung mit sich, wie stichst du hervor?

Ein Hamilton zu sein, bringt einige Für und Wider mit sich, vor allem im Motorsport. Ich werde immer in Lewis Schatten stehen. Irgendwann komme ich an einen Punkt, wo ich auf mich allein gestellt bin, in meinem eigenen Licht. Anstelle von Lewis Hamiltons Bruder, ist es dann Nic Hamilton. Langsam ist es soweit. Ich werde größer was mein Profil angeht, ganz allein. Man wird niemals ganz von der Verbindung der Hamilton Familie entbunden sein und ich bin stolz darauf, weil wir alle hart dafür gearbeitet haben, wo wir heute sind.

Wann/Wie hat sich die Leidenschaft fürs Fahren entwickelt?

Ich folgte meinem Bruder seit ich ungefähr eins bin. Ich bin so ziemlich auf einer Rennstrecke geboren. Ich wusste nie wirklich viel davon und war jedes Wochenende an einer Strecke und begann, die Fahrer an ihren Helmen zu erkennen. Es war ungefähr als ich sieben war, da erkannte ich, dass ich es auch versuchen wollte, aber mit einer Kondition wie meiner, weiß man nicht, was möglich ist. Ich fuhr in einem kleinen go-kart in diesem Alter und crashte und das machte meinen Eltern Angst und von da an sagten sie so was wie „Rennen sind nichts für dich”. Es entwickelte sich erst über die Zeit. Ich mochte Gaming gern und bekam die Möglichkeit, meine eigene Karriere und meine Renn-Handwerk zu entwickeln.

Was sind im Moment deine Lieblings-Videospiele?

Also ich arbeite und entwickle Project Cars, deswegen ist das für mich persönlich das Beste. Wenn es keine Rennen sind, dann wahrscheinlich Fifa, Call Of Duty, UFC macht auch immer Spaß. Ein Großteil meiner Zeit geht ins Entwickeln von Project Cars 2 im Moment, das auch bald draußen sein sollte.

Was ist dein User Handle? Können Leute mit dir online fahren?

Im Moment noch nicht, aber sobald Project Cars 2 draußen ist, gebe ich den Leuten meinen Handle und sie können mich jagen.

Bevorzugst du die VR Welt oder die Rennen auf dem Track?

In einem Simulator, zu hundert Prozent VR. Benutze niemals einen Monitor, wenn es anders geht. VR ist absolut fantastisch. Ich habe eins und ich mache alle meine Entwicklungen auf VR. Wenn du einmal VR benutzt, wirst du nicht mehr zurück wollen. Aber nichts schlägt die reale Rennerfahrung..

Du scheinst es zu lieben, den Leuten etwas zu beweisen, wenn sie sagen, dass du etwas nicht KANNST. Wer ist die letzte Person, bei der das passierte und weswegen?

Puh, das ist eine gute Frage! Ich denke es gibt zwei elementare Dinge. Meine Ärzte, die sagten, dass ich niemals in der Lage sei zu laufen und mein Vater, der sagte ich werde nie in der Lage sein, gut zu fahren. Diesen Leuten etwas zu beweisen und heute hier mit meinem Auto zu sitzen an einem tollen Tag und an meinen Beinen zu arbeiten, macht mich einfach immer stärker. Ich denke mein Vater glaubte wirklich an mich, er macht mein Leben einfach nur schwieriger, weil er weiß, dass ich seine Erwartungen wahrscheinlich übertreffe.

Neben Rennen, welchen Sport machst du? Oder willst du noch etwas starten?

Das Problem ist, meine Beine beeinflussen mich in vielerlei Hinsicht. Was ich liebend gern machen würde, ist ein Motorcross Bike zu fahren. Ich möchte versuchen, meinen Geist in verschiedenen Sportarten zu vertiefen und den Leuten zeigen, dass ich nicht nur Race Cars fahre, ich könnte Ziele in vielen Dingen erreichen. Ich liebe es, etwas Neues anzufangen. Ich probiere immer etwas aus, auch wenn es nicht klappt oder ich Probleme habe, es geht nur darum, die Gelegenheit zu nutzen und zu schauen, was man damit erreichen kann. Wenn man mir vor 10 Jahren gesagt hätte, dass ich heute hier säße mit meinen Rennautos hinter mir, dass ich das erreicht hätte, was ich habe, hätte ich niemandem geglaubt oder gedacht, dass es möglich wäre. Man weiß nie, was man erreichen kann, wenn man etwas Neues ausprobiert.

Welche Modifikationen gibt es in deinem Clio?

Das coolste an meinem Clio ist dass es ein Auto ist, das wir nicht modifiziert haben was die Pedale angeht. Das ist ein großes Ding für uns. Normalerweise muss jedes Auto das ich fahre, relativ stark angepasst werden. Aber da die Pedalbox fast aus der Querwand kam – vom Dach geklappt und nicht vom Boden – kam das meinen Beinen wirklich zugute und ich musste nicht viel an den Pedalen ändern. Ich habe eine Handkupplung am Lenkrad – aber das ist dann auch schon alles. Ziemlich einfach!

Gibt es irgendwelche Rennstrecken, auf die du dich besonders freust?

Mein erstes Rennen ist dieses Wochenende im Oulton Park. Ich bin da seit fünf Jahren nicht mehr gefahren und ich habe die Strecke ehrlich gesagt vermisst. Es ist ein toller Ort, um zu fahren und wird ein toller Ort sein, um sein Debüt zu fahren. Es gibt nicht viel Platz für Fehler; wenn du einen Fehler machst, bist du in der Wand. Es ist sehr hügelig; viele Buckel und Senken. Ich freue mich auch schon sehr Snetterton. Es hat eine eigene Hamilton Kurve – die nicht nach mir benannt ist, aber wir sagen, dass es so ist! Und dann gibt es noch Brands Hatch GP am Ende des Jahres, wo ich meine besten Ergebniss in 2011 und 2012 hatte – also gibt es vieles, worauf man sich freuen kann.

Was ist dein Hauptfokus für das restliche Jahr?

Verbesserung. Ich habe mich selbst in Position gebracht, eigene Sponsoren zu finden. Meine Eltern und besonders mein Bruder sind nicht involviert. Ich saß heute in meinem Auto und dachte „gut gemacht, Nic, du hast dir selbst diese Chance gegeben.“ Für den Rest des Jahres werde ich mich darauf konzentrieren, mich als Fahrer zu steigern. Ich werde nicht die Welt verändern oder einen Podestplatz erfahren in meinem ersten Rennen. Für mich ist das ein langfristiges Ziel, ein langer Prozess. Ich habe mich deutlich entwickelt als Fahrer während ich weg war vom Motorsport. Zurück zu kommen, hat mich noch mehr gelehrt. Ich habe keine Erwartungen, ich schaue nur wo ich hinkomme und pushe weiter in Richtung 2018.

Ein paar letzte Worte?

100 Prozent muss ich Monster Energy für die kontinuierliche Unterstützung danken. Ich habe so hart dafür gearbeitet und ich bin wirklich stolz, hier zu sein. Alle meine Sponsoren waren sehr loyal. Einen großen Dank an alle, die an mich glauben, dafür dass sie ihr Herz und ihre Seele in meine Geschichte und Reise legen. Hoffentlich werdet ihr mich in nicht so ferner Zukunft auf der obersten Stufe sehen.

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