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Franco Morbidelli 2020 pre season shoot
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MotoGP Athlete Insight: Franco Morbidelli

May 282020

Franco. Der Name kommt aus dem Altgermanischen und bedeutet wörtlich übersetzt "freier Mensch". Schaut man sich diesen authentischen und offenherzigen 25-jährigen Rennfahrer an, muss zugeben, dass der Name ihm steht.

Mit aufgesetztem Helm ist Franco Morbidelli daran gewöhnt, an seine Grenzen zu gehen und sich selbst zu challengen, während er abseits der Strecke ein recht fröhliches Gemüt hat und sich durch sein ansteckendes Lächeln vom Rest der MotoGP-Fahrer unterscheidet.

Er hatte kein leichtes Leben. Der vorzeitige Verlust seines Vaters hätte ihn aus der Bahn werfen können, stattdessen fand Franco in sich eine innere Stärke, um darauf zu reagieren und zu gewinnen.

Trotz alledem ist Franco ein extrem entspannter Mensch und immer am lächeln. Vielleicht, weil ihm die Brise von Recife - dem Venedig Brasiliens - durch die Adern fließt, oder vielleicht, weil er zu schnell erwachsen werden musste und seine Prioritäten im Leben kennt.

Als Kind einer brasilianischen Mutter und eines italienischen Vaters in Rom geboren, ist Franco Morbidelli der Sohn zweier Kulturen. "Von meiner Mutter Cristina habe ich die Liebe zum Samba, zur Natur und zum Leben geerbt. Ruhe und Entspannung kommen von der brasilianischen Seite meiner Familie. Das Gefühl, einfach loszulassen und mit dem Flow zu gehen.“ gesteht Franco. „Von meinem Vater Livio habe ich gelernt, bei der Arbeit so seriös wie möglich zu sein. Diese beiden Seelen koexistieren in mir. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich an den weißen Stränden von Recife barfuß Fußball gespielt habe und mit meinen Freunden in Tavullia auf Fußballturnieren war. Freunde und Bikes haben mein Leben begleitet. Bikes sind Freiheit und Spaß, wie Samba".

Trotz seines Talents folgte er nicht dem normalen Weg der anderen Fahrer, die normalerweise in der nationalen Meisterschaft starten und sich dann dem World Circuit in der Moto3-Einstiegsklasse anschließen. Wegen Budgetproblemen gab Franco 2011 sein internationales Debüt im europäischen Superstock 600 und verdiente sich seine frühen Rennerfolge auf Serienmotorrädern. All die harte Arbeit zahlte sich 2013 aus, als er mit dem Team Italia den europäischen Superstock 600-Titel gewonnen hat. Dies bescherte ihm drei Wildcard-Entries in der Gresini Racing Squad, gefolgt von seiner ersten vollen Saison in der Moto2 im Jahr 2014. Seinen ersten Podiumsplatz holte er 2015 in Indianapolis, während ihm sein erster Sieg nach 53 GP-Rennen 2017 in Katar gelang.

 

"Der Sieg von meinem ersten GP nach 53 Rennen in Doha war emotional. Es ist schwer zu glauben, aber in all den Jahren war ich nie von der Idee besessen, nicht zu gewinnen. Der fehlende Erfolg hat mich nicht belastet weil ich wusste, dass er das Ergebnis meiner HARTEN Arbeit sein würde und schließlich haben wir es geschafft. Man muss seinen Kopf benutzen und weiter an sich glauben, egal was passiert. Wenn man seinen Kopf nicht einsetzt, hält man in diesem Sport nicht allzu lange durch", erinnert sich Franco. Seinen ersten Sieg widmete Franco seinem Vater Livio. Seit diesem Tag ist Morbidelli nicht mehr zu stoppen – und mit acht Siegen und zwölf Podiumsplätzen holte er den Moto2-Weltmeistertitel.

 

"Warum fühle ich mich so besonders? Das ist eine lange Geschichte. Ich bin ein Fahrer, der nicht über den normalen Weg der Moto3 und Moto2 in die MotoGP gekommen ist, wie die meisten Fahrer. Im Gegenteil, mein Background ist Superbike. Trotzdem habe ich geschafft, die Moto2-Meisterschaft zu gewinnen. Ich hatte einige gute Ergebnisse in der MotoGP und jetzt will ich mehr erreichen, ich will mich verbessern. Mir ist bewusst, dass ich ein schneller Rider bin, aber ich kann noch schneller sein. Ich habe den Winter über hart gearbeitet, um ein besserer Fahrer und ein besserer Athlet zu werden".

"Ich war einer der ersten Rider, der mit Valentino auf der Ranch war. Ich glaube, das Jahr war 2012. Damals gab es nur die Ovale und die „Americana" Challenges mit Valentino, Marco Simoncelli und Mattia Pasini bleiben episch". Morbidelli erinnert sich gut daran, sechs Jahre später ist er nämlich immer noch Rider der VR46 Academy. "Als Teil der VR46 Academy fühle ich mich verantwortungsbewusster. Wenn ein Fahrer wie Valentino an mich glaubt, bedeutet das, dass er etwas in mir sah, was ich nicht gesehen habe. Von dem Moment an dem ich das verstanden habe, habe ich immer versucht, mich an Grenzen zu bringen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie erreichen kann."

 

"Ich habe durch das Training auf der Ranch mit Rossi viel gelernt, durch seine Ratschläge, aber auch dadurch, dass ich ihn einfach beobachtet habe, wie er sich bewegt und wie er fährt. Stell dir einfach ein Kind vor, das Fussball spielt und jeden Tag mit Lionel Messi trainiert! Ich kenne Vale, seit dem ich 13 bin. Am Anfang war ich emotional, aber dann habe ich angefangen den Fahrer vom Freund zu trennen. Ich habe viel von ihm als Mensch gelernt."

 

Immer getrieben vom Drang nach Verbesserung, lernte Franco Morbidelli immer weiter und versuchte, Saison für Saison die Grenzen ein wenig mehr zu pushen. "Von Valentino habe ich gelernt, das zu lieben, was wir tun. Nicht nur auf der Strecke während der Rennen, sondern auch im Training. Von ihm habe ich gelernt, dass Einfachheit etwas ist, das einen Mehrwert schafft und nicht andersherum.

"Die Saison 2019 war auch eine wichtige Lektion. Es war vielleicht das erste Mal, dass ich von meinem Teamkollegen geschlagen wurde und glaubt mir, es tut weh. Quartararo als Teamkollege zu haben macht zwar Druck, motiviert aber auch zu wachsen. Von Fabio habe ich seine harte Arbeitsmoral gelernt. Den Winter über habe ich härter denn je auf dem Rad trainiert und die Stunden im Fitnessstudio erhöht. Ich habe auch Ordnung in mein Leben gebracht und kleine, aber wichtige Gewohnheiten verändert. Ich bin das Wintertraining konzentrierter und entschlossener angegangen".

 

Sportler hören nie auf zu lernen. "Was habe ich von Marc Marquez gelernt? Dass man bereit sein muss, alles zu tun, um zu gewinnen".

 

"Ich glaube, dass ein Leben nicht reicht. Noch vor ein paar Jahren hätte ich am liebsten an der Uni studiert, ein normales Leben zusätzlich zu meiner Karriere als Pro-Fahrer gehabt. Es gibt viele Dinge, die ich gerne gemacht hätte, aber ich habe meine Mentalität verändert. Jetzt bin ich völlig auf das Leben konzentriert, das ich lebe. Momentan sind Bikes mein Lebensinhalt. Ich bin jung, hungrig und auf eine Leidenschaft fokussiert, die ich seit meiner Kindheit habe. Mir ist bewusst, dass es nicht immer so sein wird, aber ich bin noch jung und möchte diesen Moment voll und ganz geniessen".

 

Die harte Arbeit zahlt sich aus: Morbidelli zeigte beim Wintertest ein starkes Tempo und beendete den letzten Tag des offiziellen Tests in Katar als Zweiter mit nur 33-Tausendstel-Sekunden hinter dem Monster Energy Yamaha-Fahrer Maverick Vinales. "Ich habe das Gefühl, dass ich in der Saison 2020 als besserer Fahrer und Athlet dastehe. Ich habe das richtige Mindset. Das Motorrad ist das gleiche wie letztes Jahr, mit einigen Motor- und Chassis-Updates. Ich fühle mich gut auf der Maschine und möchte mich weiter verbessern. Letztes Jahr habe ich einige gute Ergebnisse erzielt, aber ich will mehr. Mein Ziel? Schneller zu fahren und um das Podium kämpfen".

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